Mir hilft Training, Teil II (oder: Mit Eigenurin gegen Pickel)


Ich bin es wieder, N., inzwischen 28 Jahre alt. (Teil I der Geschichte: siehe unten!)

 

Da sich bei mir wieder einiges Interessantes im Zusammenhang mit Skinpicking getan hat, habe ich beschlossen nochmals einen Beitrag zu schreiben. Mein Training mit Selbstanalyse, Ablenkung bei Verletzungsimpuls, Verdunkelung des Badezimmers sowie bakterienhemmender Akne creme vom Hautarzt hat lange funktioniert. Ungefähr 10 Monate konnte ich meinem Zwang widerstehen.

 

Dann beschloss ich die Pille abzusetzen, weil ich nach 12 Jahren Einnahme buchstäblich Pillenmüde und inzwischen auch verheiratet war. Ich sah mich in meiner Hautsituation genug gefestigt, eine Hormonveränderung mit Auswirkungen auf das Hautbild in Kauf zu nehmen. Dieses Thema hat mich nämlich schon mein Leben lang beschäftigt. Was würde mit meiner Haut passieren, wenn ich irgendwann die Pille nicht mehr einnehme? Zu meinem Erstaunen entwickelte sich meine Haut nach Absetzen der Pille zuerst ausserordentlich gut. Die ersten 2-3 Monate war mein Hautbild so schön wie nie zuvor.

 

Meine Tage blieben noch aus und pendelten sich erst nach ungefähr einem halben Jahr wieder ein. Mit dem regelmässigen Zyklus kamen auch wieder mehr Pickel. Nicht sehr schlimm, ich hätte durchaus Schlimmeres erwartet. Aber für mich war es dennoch genug, um wieder einen Rückfall zu erleiden und in meine alte Verhaltensmuster zurückzufallen. Ich war sehr enttäuscht über mich, war aber dennoch froh, diesen Schritt weg von der Pille gewagt zu haben.

 

Denn nur für eine Stabilisierung meiner Sucht die Pille einzunehmen war ja keine dauerhafte Lösung. Vor allem, weil ich früher oder später gerne Kinder hätte. Von nun an beschloss ich quasi die zweite Etappe meiner Heilung in Angriff zu nehmen. Mein Projekt lautet wieder so stabil im Umgang mit meiner Haut zu werden wie in den 10 Monaten meines Trainings vor Absetzen der Pille. Vor zwei Monaten kam ich dann durch Zufall zu einer Möglichkeit, meine Pickel auch ohne Aknecreme zu reduzieren, was mir natürlich wiederum hilft, die Haut in Ruhe zu lassen.

 

Nun aber die ganze Geschichte dazu:

Ich und mein Mann waren an einem Geburtstagsfest eingeladen. Gegenüber von uns saß eine tolle, reifere, sympathische Frau, mit der wir uns von Anfang an gut unterhielten. Diese Frau war gelernte Kinderkrankenschwester und arbeitete vor einiger Zeit auch als Notarztgehilfin. Da jemand am Tisch eine grosse Fieberblater (Herpesblase) hatte, berichtete sie von einer speziellen Art diese wieder loszuwerden.

 

Sie erklärte, dass das Mittel gratis ist, Wunder wirkt und man es immer dabei hat. Natürlich waren wir alle gespannt auf die Auflösung. Es war die Rede von Urin. Ein Tropfen auf die Fieberblater und sie würde sich beim grössten Teil der Betroffenen zurückbilden. Nach erstem Ekel beim Zuhören, faszinierte mich dieser Lösungsansatz irgendwie und ich begann darauf im Internet Heilung im Zusammenhang mit Urin zu recherchieren. Natürlich dachte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht an mein eigenes Hautproblem.

 

Schnell stellte ich aber beim Lesen fest, dass nicht nur bei Neurodermitis, Fieberbläschen und Schuppenflechte Urin als uraltes Heilmittel angepriesen wird. Nein, auch gegen Akne soll Urin durch seine keimtötende, entzündungshemmende und feuchtigkeitsbindende Substanzen sehr wirkungsvoll sein. Je mehr ich darüber las, desto mehr schwand der Ekel und ich beschloss, es einfach selbst auszuprobieren.

 

Das erste Mal machte ich den Versuch unter der Dusche, da mir das dort irgendwie einfacher fiel, wenn man sowieso nackt ist und von Wasser umgeben. Ich nahm also ein Wattebausch mit vor die Dusche. In der Dusche reinigte ich mein Gesicht mit Lubex-Seife wie immer. Danach nahm ich den Wattebausch zu mir, tröpfelte direkt in der Dusche vom Mittelstrahl meines Urins darauf und trug ihn aufs Gesicht auf. Ich duschte weiter und achtete darauf, dass ich mein Gesicht erst wieder unters Wasser hielt, nachdem der Urin selbstständig trocknen konnte.

 

Der Effekt war schon nach eimaliger Anwendung gigantisch. Die Haut fühlte sich komplett spannungsfrei und babyweich an. Am nächsten Tag trug ich den Urin morgens wieder vom Mittelstrahl nach Reinigung der Haut auf, liess ihn diesmal etwas länger (ca. 1/2h) einwirken, wusch mein Gesicht mit Wasser ab und fuhr dann mit meinem normalen Makeup fort. Am Abend nach dem abschminken, trug ich während dem Toilettengang wieder den Urin auf und liess ihn dann sogar die ganze Nacht einwirken.

 

Dies handhabe ich nun morgens und abends so seit über drei Monaten. Und was soll ich sagen, ganz langsam spüre ich wie mein Urin den Feuchtigkeitshaushalt wieder in Einklang gebracht hat und immer weniger neue Pickel entstehen. Ich bin echt glücklich, fühle mich so wohl in meiner Haut wie schon lange nicht mehr und kann diese Art Therapie im Zusammenhang mit Skinpicking nur weiterempfehlen. Besondere Umstände erfordern eben besondere Maßnahmen.

 

Probiert es einfach selber aus! ;-)

 

Veröffentlicht im November 2013

(c) skin-spicking.de


Mir hilft Training, Teil I

N.,26, aus der Schweiz


In der Pubertät hatte ich wie fast jeder Teenie einige Pickel. Als ich ungefähr mit 14 die Pille nahm, hat sich das sehr gebessert, Leider kann ich mich aber nur noch anhand alter Fotos an diese Zeit schöner Haut zurückerinnern. Denn irgendwann so zwischen dem 15. und 16. Lebensjahr fing ich an, meine Haut auf Unebenheiten und Unreinheiten zu prüfen. Heimlich stand ich immer wieder vor dem Spiegel und drückte an meiner Gesichtshaut herum. Nur immer das Gesicht, sonst war keine Hautpartie von meinem Zwang betroffen. Damals wohnte ich noch bei meinen Eltern. Manchmal konnte ich es sogar über Mittag, bevor ich erneut zur Schule ging, nicht lassen, meine Haut zu verletzen.


Das lag nicht nur daran, dass ich das Bedürfnis hatte, meine Maske aufzufrischen. Sondern auch daran, dass ich so ein Spannen und Jucken unter dem Make-up verspürte und meine Haut unter kühlem Wasser beruhigen wollte. Also schminkte ich mich ab. Die Folge davon war aber, das ich ohne Make-up wieder Unreinheiten sah und erneut anfing zu drücken. Manchmal fiel ich dabei fast in eine Art Trance. Erst als die Zeit wie im Flug vergangen war und ich merkte, dass ich bald wieder zur Schule musste, trug ich hektisch wieder mein Make-up auf, um die Spuren zu überdecken.


Meine Mutter bemerkte natürlich, dass sie das Handtuch immer öfter wechseln musste und auch vermehrt Blutspuren darauf vorhanden waren. Zuerst sagte sie mir einfach, es wäre doch nicht nötig, mich sovielmal am Tag zu schminken. Einmal erwischte sie mich frisch nach einer solchen Tortur. Sie blieb ganz geschockt stehen und sagte nur: Wie siehst du denn aus! Ich solle sofort damit aufhören. Auch mein Vater hat mich später mal darauf angesprochen, warum ich das mache. Er sagte, ich soll jedes Mal an ihn denken, wenn ich in den Spiegel schaue und daran, dass er das nicht möchte, was ich da tue.

 

Bei beiden Gesprächen versuchte ich irgendwie das Gespräch abzulenken. Es war mir sehr unangenehm, darüber zu sprechen. Ich konnte ja selbst nicht erklären, warum ich das machte. Auch wenn andere Leute mich auf meine Haut ansprachen, fühlte ich mich immer sehr bedroht. Dabei ahnte außer meinen Eltern ja niemand von meinem Knibbel-Drang. Alle gingen immer davon aus, dass ich einfach ein Akneproblem hätte. Ich selbst habe wohl auch sehr lange daran geglaubt. Ich ging immer davon aus, dass irgendwann der Tag kommt, an dem meine Haut rein ist und ich keinen Grund mehr zum Drücken habe.


Aber mein Leben blieb leider eingeschränkt von diesem Zwang. Auch wenn ich mir einredete, es jederzeit lassen zu können, merkte ich immer wieder, dass das nicht der Fall ist. Zum Teil sah ich so schlimm aus, dass ich auch mit Make-up die Spuren der Selbstverletzung nicht mehr verdecken konnte. Dann blieb mir jeweils nichts anderes übrig, als krankheitshalber von der Arbeit fern zu bleiben oder ein Treffen mit Freundinnen abzusagen.


In der Schule fragte mich mal jemand, ob ich einen Knutschfleck am Hals habe. Dabei wollte ich da einen Pickel beseitigen und die Haut wurde blau vom Quetschen. Am Abend, wenn ich jeweils zu Bett ging, tupfte ich meine Wunden stellen mit „Vita Merfen“ ab und legte manchmal ein Frottiertuch aufs Kissen, um es nicht schmutzig zu machen und damit es keiner merkt.


Natürlich habe ich alle immer beneidet, die eine makellose Haut haben und fühlte mich sogar kritisiert, wenn man von diesen Leuten positiv sprach. Ich musste meine Haut immer verstecken. Ich konnte keine Sportart machen ohne mein Make-up und musste auch bei Regen darauf achten, dass ich einen Schirm trug, damit die Maske nicht schwand. Im Sommer, wenn ich mich ungestört bräunen wollte und es genießen wollte, meine Gesichtshaut ohne fremde Blicke und Make-up in den Wind zu halten, paddelte ich mit dem Surfbrett so weit auf den See hinaus, bis man vom Ufer aus nur noch meine Umrisse erkennen konnte. Dort fühlte ich mich wohl.


Wenn es mir zu heiß wurde, tauchte ich einfach ins Wasser und genoss das kühle Nass auf meiner Haut. Dass meine roten Flecken im Gesicht durch die Sonne noch röter wurden und das auch bestimmt nicht gesund war, war mir in diesem Moment egal. Ich hatte das Gefühl, die Sonne würde die Wundheilung der Haut beschleunigten, dabei war sie so der Narbenbildung ausgesetzt. Als ich jeweils wieder ans Ufer zurückpaddelte und die roten Flecken im Gesicht durch die Sonne noch röter wurden, bemühte ich mich, niemanden direkt anzuschauen, weil ich mich für meine Haut schämte und Angst hatte, darauf angesprochen zu werden.

 

Ich konnte meine Situation ja sowieso niemandem erklären und alle Meinungen anderer, wie z.B. dass dies bestimmt eine Sonnenallergie ist, machte mir nur zusätzlich ein schlechtes Gewissen, weil ich mich immer unwissend gab, obwohl ich ja genau wusste, woher diese Flecken kamen.


Irgendwann kam eine Zeit, in der ich Angst hatte, später mal an Hautkrebs zu erkranken, wenn ich meine frischen Wunden so der Sonne aussetze. Ich begann, während des Bräunens mein Gesicht mit einem Hut oder T-Shirt zu bedecken. Meine Mutter konnte das zwar nicht verstehen, denn schließlich sagt man, Sonne tut der Aknehaut gut. Aber sie wusste ja nicht in welchem Ausmaß ich meine Haut verletzte und dass die Haut unter den Schürfungen ganz dünn und sonnenempfindlich war. Meine Eltern haben zwar bemerkt, dass mit mir etwas nicht stimmt, aber niemals, wie fest dieser Zwang mein Leben beeinträchtigte.

 

Irgendwann bekam ich zum Geburtstag von meiner Mutter ein Astrodata geschenkt. Auch eine Sitzung bei einer Kinesiologin hat sie mir mal bezahlt. Sie selbst war seit meiner Pubertät augrund eigener Probleme mit sich selbst und in der Beziehung zu meinem Vater immer wieder bei Psychologen in Behandlung. Gleichzeitig merkte sie, dass ich unter den Spannungen zu Hause sehr litt und meldete mich für mein Wohlbefinden auch zu psychologischen Sitzungen an. Wahrscheinlich geschah das auch aus Eigeninteresse, weil sie Schuldgefühle hatte. Sie hatte wohl Angst, dass mein Umgang mit der Haut etwas mit der Situation zu Hause zu tun hatte und wollte für sich eine Bestätigung das dies nicht der Fall ist.


Natürlich hat weder ein Astrologe, Kinesiologe oder Psychologe mein Problem erkannt. Ich habe auch alles dafür getan, mir nichts anmerken zu lassen und ging auch nie ungeschminkt aus dem Haus. Einzig der Kinesiologin habe ich sehr abgeschwächt von meinem Problem erzählt. Sie meinte nur, ich müsse viel mehr Wasser trinken, dann beruhige sich meine Haut von selbst. Von da an gab ich mir wirklich Mühe, jeden Tag viel Wasser zu trinken. Weil ich selbst an diese Problemlösung glaubte, hat das am Anfang auch etwas gebracht. Aber irgendwann kam wieder ein Rückfall und ich begann mich selbst zu analysieren. Lag das Aussehen meiner Haut wirklich an den Spannungen in der Familie, am Essen, am wenig trinken, an der Ernährung? Inzwischen sind 10 Jahre vergangen. Ich bin jetzt 26 und habe erst durch das Internet erfahren, was Skin-picking ist und dass ich davon betroffen bin.


Auf der einen Seite war es schön zu lesen, nicht der einzige Mensch auf der Welt zu sein, der dieses Problem hat. Auf der anderen Seite sind mir die Tränen nur so herunter gekullert beim Lesen, weil ich jetzt definitiv wusste, dass ich alleine für meine Lage verantwortlich war. Das musste ich erst mal sacken lassen. Ich habe einige Berichte aus dem Internet ausgedruckt. Damit fiel es mir leichter, mit meinem Freund ein Gespräch zu suchen. Wir sind schon seit meiner Pubertät zusammen und wollen sogar dieses Jahr heiraten. Aber auch er wusste bis jetzt nicht, was mein Hautproblem für eine Ursache hat.


Es ist kaum zu glauben, dass man so etwas über so lange Zeit auch vor seinem engsten Vertrauten verheimlichen kann. Auch am Abend, an dem ich es ihm erzählte, war ich sehr nervös. Die Nervosität legte sich aber, als ich merkte, mit wie viel Verständnis er mir begegnete. Er sagte mir, dass er mich so liebt wie ich bin, mit diesem Zwang und auch ohne Make-up. Er sagte auch, dass er mich unterstützen wird, wenn ich das möchte. Wir gingen gemeinsam am nächsten Tag zum Hausarzt. Er wartete draußen, während ich wieder mit den Internetausdrucken von meiner Entdeckung berichtete.


Der Hausarzt sagte, ich wäre damit nicht alleine. Mein Problem wäre sehr bekannt, aber leider vertrauen sich nur die wenigsten damit jemandem an. Viele Leute mit Skin-picking meinen, sie hätten Akne und deshalb einen Grund die Haut zu verletzen. Dass die Haut aber nur durch das Drücken und den stetigen Reiz immer wieder mit Pickeln reagiert, ist nur den wenigsten bewusst. Der Hausarzt vermittelte mich an einen Hautarzt weiter und gab mir den Rat, auch psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Weil ich selbst durch eigene Erfahrung aber sehr skeptisch gegenüber Psychologen bin, beschloss ich, zuerst mit dem Hautarzt zu sprechen.


Ich habe in den letzen 10 Jahren selbst sehr an mir gearbeitet und gelernt, die Probleme meiner Eltern nicht meine sein zu lassen. Ich kann auch das Verletzen meiner Haut in keinster Weise mit schlechter Laune oder Stress in Verbindung bringen. Es ist vielmehr einfach ein Impuls, den ich verspüre und dann fällt es mir schwer, diesem Drang zu widerstehen. Ich denke aber, das dieser Zwang, der vielleicht einen psychischen Ursprung hat, über 10 Jahre auch einfach zu Gewohnheit werden kann.


Der Hautarzt bestätigte meinen Gedanken und sagte, er würde in meinem Fall keine Psychoanalyse machen, sondern eine Verhaltenstherapie. Er hat mir ein dermatologisches Peeling mitgegeben, um damit jeden Abend mein Gesicht zu reinigen. Danach darf ich eine Aknesalbe auftragen, um Bakterien zu hemmen, die Pickel verursachen. Das soll mir erleichtern, die Finger von meiner Haut zu lassen. Am Morgen soll ich mein Gesicht nur mit Wasser reinigen und danach eine nicht fettende Feuchtigkeitspflege verwenden.


Eine Verhaltenstherapie schließe ich nicht aus, aber vorerst möchte ich über einige Zeit selbst zu Hause auszuprobieren, wie ich meinem Impuls zum Drücken wiederstehen kann. Als erstes habe ich mir künstliche Fingernägel machen lassen, die das Drücken sehr erschweren. Dann habe ich mir angewöhnt, im Badezimmer nur eine Hintergrundbeleuchtung einzustellen, damit ich meine Gesichtshaut nicht so genau betrachten kann.


Ebenfalls hilft es mir, mich zu beschäftigen, damit ich gar nicht in Versuchung komme, vor den Spiegel zu stehen. Und wenn es dann doch mal soweit ist, dann ist meine eigene Regel, erst zu drücken, wenn der Pickel gelb ist und danach fest entschlossen das Badezimmer wieder zu verlassen.


Ich muss sagen, mein Training funktioniert ganz gut. Ich konnte meine Haut bis jetzt fast einen Monat komplett in Ruhe lassen und es ist wirklich motivierend zu sehen, wie sie sich langsam regeneriert.

Veröffentlicht im März 2012

(c) skin-picking.de