Skin Picking: Das Störungsbild


Was ist Skin Picking? Es ist eine psychische Störung, keine körperliche Erkrankung - soviel steht fest. Von Skin Picking Betroffene knibbeln, kratzen oder drücken an Pickeln und Hautunebenheiten, bis diese sich entzünden. Die Wunden können manchmal über Wochen oder Monate nicht verheilen, weil sie immer wieder "bearbeitet" werden.

"Bevorzugte" Stellen sind das Gesicht, Dékolleté, der obere Rücken, die Schultern, Arme und Unterbeine.

 

Andere Bezeichnungen für diese psychische Erkrankung: Knibbelakne, Dermatillomanie oder Acné excoriée.  

 

Ins "DSM-5" aufgenommen

 

Im Mai 2013 ist die aktualisierte Version des "DSM" herausgekommen, die fünfte Auflage des von der American Psychiatric Association herausgegebenen Klassifikationssystems Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders. Sozusagen die Diagnose-Bibel für us-amerikanische Psychiater.

 

Skin Picking ist dort nun als eigenständiges Krankheitsbild aufgenommen worden. Es heißt dort "excoriation disorder" und wird dem Bereich der "obsessive-compulsive disorders and related" zugewiesen (ungefähr: "zwanghafte Störungen und ähnliche").

Dass Skin Picking ins DSM-5 aufgenommen wurde, erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die Störung bei der nächsten Überarbeitung des ICD-10, einer internationalen Klassifizierung psychischer Störungen, herausgegeben von der WHO, aufgenommen wird.

Was hoffentlich dazu führt, dass in den nächsten Jahren mehr Forschung zu Skin-picking betrieben wird und dass mehr Ärzte und Therapeuten Skin Picking kennen!

 

Betroffene schämen und verstecken sich

 

Denn Skin Picking ist mehr als nur eine schlechte Angewohnheit. So sehr die Betroffenen es versuchen, auf Dauer kommen sie einfach nicht davon los. Viele glauben, sie wären allein mit ihrem Problem. Dabei sind nach Untersuchungen von Experten 1 bis  5 Prozent der Bevölkerung betroffen (!).

 

Bei Eltern, Geschwistern, in der Schule, bei den Arbeitskollegen und in der Freizeit trifft dies Verhalten auf Unverständnis: Es ist ja scheinbar eine freiwillige Selbstzerstörung. 

 

Betroffene schämen sich meist und überdecken mit aufwendiger Schminke ihre Wunden. Oder sie vermeiden von vorn herein Situationen, in denen ihre Hautverletzung entdekt werden könnte, zum Beispiel Sport, Schwimmen, Sauna. Manche igeln sich zuhause ein, trauen sich gar nicht mehr unter Leute.

 

Die Psychologie rechnet Skin Picking inzwischen den Erkrankungen des Zwangsspektrums zu. Auch wenn das Störungsbild in der Öffentlichkeit so gut wie unbekannt ist oder als Spleen von Teenagern abgetan wird: In Fachkreisen ist es seit Jahrzehnten bekannt. Eine Reihe von Therapie-Ansätzen existiert.

 

Was es bisher nicht gab: eine Selbsthilfegruppe im deutschsprachigen Raum. Das haben wir geändert!

 

Neue Mitglieder sind jederzeit herzlich willkommen - und natürlich auch jeder Betroffene, der mal reinschnuppern möchte.