Silke*: Endlich in Therapie!

Bild von Silke* mit Wunden im Gesicht
Silke* hat uns freundlicherweise ein Bild von ihrer Haut geschickt.

Ich bin – ausgerechnet! – Krankenschwester von Beruf und werde demnächst zum zweiten Mal Mutter. Eure Seite habe ich im Internet gefunden. Seit zirka sieben Monaten bin ich in therapeutischer Behandlung. Mein Leben lang wurde ich einfach als Akne-Patientin behandelt, zum Teil mit stärkeren Medikamenten bis hin zu Antibiotika (die tatsächlich geholfen haben). Nie hat auch nur ein Dermatologe seine Hausaufgaben richtig gemacht und gesehen, dass mein Hautbild vom Kratzen kommt. Bis vor etwa neun Monaten. Doch dann musste ich mir noch einen Therapeuten suchen, gar nicht so einfach in Deutschland.

 

Unsere Kindheit war die Hölle

 

Ich habe eine jüngere Schwester, sie ist ebenfalls mit Borderline in Behandlung. Unsere Kindheit war die Hölle. Wir wurden körperlich und seelisch misshandelt. Nicht sexuell, aber ansonsten war alles drin: schwere Arbeit auf unserem Rohbau in dem wir leben mussten. Nahrungsentzug. Wir wurden zum Leistungssport gezwungen, getreten, mit Gegenständen geschlagen, nachts um 2 Uhr geweckt, um die Wohnung zu putzen … Erstaunlich, dass wir heute noch Kontakt zu unseren Eltern haben. Naja, so ist der Mensch.

 

Niemand wollte mehr sein Essen mit mir teilen

 

Die Krankheit ist genau zu der Zeit ausgebrochen, als ich exzessiv zum Leistungssport gezwungen wurde. Mit elf oder zwölf, würde ich sagen. Damals war die Qualität aber eine andere. Nach dem Kratzen habe ich mir teersalbe vom Hautarzt auf die betroffenen Stellen und bin den Rest des Tages so herumgelaufen. In der Schule wurde ich recht bald deshalb auch noch gemobbt. Oft sprach man mich schockiert an, ob ich die Windpocken hätte. Auch geht man ja oft davon aus, es wäre ein hygienisches Problem, weswegen sich zum Schluss nicht einmal mehr gute Freunde und Familie zum Beispiel essen mit mir teilen wollten.

 

„Vorbilder“ in der Familie

 

Unsere Eltern haben uns das Kratzen vorgelebt. Meine Mutter hat ständig an ihrer Lippe geknibbelt, mein Vater in aller Öffentlichkeit im Gesicht. Das wurde seitens der Familie immer verharmlost, Akne ist bei uns auch tatsächlich familiär bedingt und bekannt. Als meine Großmutter mit 92 starb, hatte sie Pickel im Gesicht. Meine Onkel und Tanten sind über 60 und haben Pickel im Gesicht.

 

Bei Stress wurde es seltsamerweise besser

 

Zwischendurch war es besser, meist sogar dann im Leben, wenn ich viel Stress hatte, wie in der Ausbildung oder danach bei einem sehr schlechten Arbeitgeber im OP. Als ich meinen Mann kennen lernte, habe ich auch recht bald den Weg zur Kosmetikerin gefunden. Zuerst hatte ich eine, die erkannte, dass ich kratze und mir irgendwann die Behandlung verweigerte, weil ich ihre Arbeit ja immer zu Nichte machte. Vor fünf Jahren fand ich dann meine jetzige Kosmetikerin. Sie war selbst Alkoholikerin und hat eine Therapie gemacht. Sie war der erste und einzige Mensch, der mir sagte: Du brauchst eine Therapie und einen guten Arzt.

 

Hypnose hat mir geholfen

 

Nun bin ich in Therapie und hoffe auf Besserung. Letzte Woche bin ich einen guten Schritt weiter gekommen: Ich hatte die erste Sitzung mit Hypnose. Eigentlich war ich dem gegenüber gar nicht offen eingestellt und hielt es für Humbug. Aber es hat wirklich funktioniert. ´Wir haben in der Hypnose einen Ort der Sicherheit für mich gesucht. Ich entdeckte diesen einsamen Ort meiner Kindheit, den nur ich kannte. Wo ich umgeben war von meinen Lieblingen damals - meinen Pflegepferden. Das hat mir ungemein geholfen.

 

Mit einem Foto habe ich kein Problem, es ist ja meine Haut und das bin ich. Ich füge mir die Wunden selbst zu und dazu stehe ich (mittlerweile). Die Haut ist auch nicht alles, was mich ausmacht. Ich habe als Mensch noch weitaus mehr Qualitäten.

 

Mittlerweile wissen die Menschen um mich herum das auch zu schätzen.

 

(Februar 2019)

* Der Name ist ein Pseudonym

 

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